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Interview

The Making Of- die Diktaphon Demos (DVD 2008)

 
Traussenbleiber ( die Dritte 2008)
Wie selten sind sie doch geworden: diese Versuche, dasjenige Schiff zu dekonstruieren, auf dem man so augenscheinlich die Moderne über Wasser hält. Die allgegenwärtigen Medien als das zu entlarven, was sie eigentlich sind: Werkzeuge zur Einflußnahme auf lange Entfernung. Ihre lebensbestimmende Relevanz für den modernen Menschen mal etwas kritisch, vielleicht sogar irritationsfördernd zu durchleuchten.
Denn: drei Stunden täglich vorm modernen Altar verbringen, der heute 100 cm in der Diagonale misst und sich daraufhin einbilden, man hätte den Durchblick durch unsere Welt, sich dabei von Appellen-in-heavy-rotation zu Fanstürmen, empörten Leserbriefen, Sammelaktionen oder Massenvotings, Unterschriftenmailings oder klassisch: zur Informationspreisgabe oder schlicht: zum Kauf hinreissen zu lassen, das hat schon etwas.. leicht Naives? Oder eher: willkommen Naives?
El Berndos DVD zum heiligen "Making-Of" springt mitten rein in dieses scheinbar ruhig fliessende Gewässer und benutzt diese Unhinterfragtheit im Umgang mit Informationen, Bildern und darüber gewachsenen Glaubensstrukturen dazu, uns permanent in die Irre zu führen, uns schwindelig am Ende eines amateurhaft geführten Interviews zurückzulassen oder provoziert ungläubiges Lachen beim Erscheinen von "Platzhaltern" und "Stellvertretern" des "Original Artists". Oder bewegt uns schlicht zum impulsiven Abschalten. Und Nachdenken.
Wobei das Abschalten nicht als Hauptintention gelten will, es gilt eher dem Wachwerden mit Hilfe dieses kalten Wasserstrahls ins Gesicht an jedem verpennten Montag Morgen und bei jedem erneuten Einschalten.

 
Tummel & Platz (Auslauf 3-2008)
Fanfutter der irritierenden Sorte. Außen prangt zwar der fan-heilige "Making-Of"-Sticker, innen indes wird man jäh mit der eigenen Wahrnehmungsgrenze von Schein, Sein und vorsätzlich Gemacht Scheinendem konfrontiert. So daß bis Ende Menü nicht klar ist- soll man hier im langen Stil verarscht werden oder einen überfälligen Augenöffner zum Thema Medien und Gläubigkeit abbekommen?

 
Thosa Fakee Polaroids (2008 | Startup 03)
Kritisch? oder doch eher gemütlich? Futter fürs Auge? Oder lieber Nüsse fürs Hirn? Zeitgenosse oder Glaubwürden? Lässig oder stressig? So ist der Fluß der HeutzuTage- jeder kann wählen, ob er entspannen will in der Konsumentenfreizeitwelt. Oder sich wutschnaubend ballen.

Was vor zwanzig Jahren schlicht der Unterschied zwischen Gut und Böse, PC und Evil war- steht heute friedlich nebeneinander im Regal der Lebenswahlmöglichkeiten. Aber- war es nicht schon immer so? Nur die moralischen Vorwarnzeichen sind verblaßt? Alles erlaubt macht fad. Überhaupt a propos böse- c´est chic, die sieben Todsünden sind mittlerweile als Charts geordnet und je nach Trend drängeln sich andere Negativtugenden kurzzeitig um die vorderen Plätze.

 
CouchCartoffel (3/2008)
"Die Cam im Hause erspart den Filmeprofi."
Irgendwie hat el Berndo, die Kerngestalt des Musikpersiflage-Projekts Charakterschutz mit dieser eigenwillig interpretierten Do-It-Yourself-Weisheit recht. Zumindest in diesem sehr speziellen Fall von Musik-DVD, die sich bei näherer Betrachtung ausschließlich um das Medien-Phänomen des "Making Of" und den wahren Moment künstlerischer Inspiration dreht.
Und damit eine bislang in ihrem Wesen unbeachtete Kulturerscheinung genauer aufs Korn nimmt. Ungeniert werkelt und rumort er also mit Handkamera in obskuren, mit "zuhaus" betitelten Räumlichkeiten, erzählt dazu in jovialem Plaudertaschenton, legt die stets laufende Kamera auch mal kurz am Fensterbrett oder Küchentisch ab, um beide Hände frei zu haben. Oder tritt damit auf die Straße, um das grundlegend mitschwingende Gefühl des Banalen der mitteleuropäischen Künstlerexistenz zu betonen, wobei ihm die Handkamera bei der Suggestion dieses Eindrucks sehr zu paß kommt. Und auf perfide Weise die Täuschung perfektioniert, die mit diesem dumpf-amateurhaft scheinenden Tun erzielt werden soll:
 
Den Augenblick der Schöpfung mitschneiden. Das ist ganz nah dran am Göttlichen und mittlerweile Bestandteil jeder etwas ausführlicheren Film-auf-DVD-Sonder-Packung.

Schon an dieser überzogenen Formulierung wird klar, daß hier das "professionelle" Aus-dem-Nähkästchen-Plaudern genauer beleuchtet wird, das Charakterschutz als neue, attraktive Wertigkeit im Umgang des modernen Konsumentenmenschen mit dem alles durchdringenden Phänomen Medien lokalisiert.
Das, immens marketingförderlich, flugs ein pseudokumpelig-vertrauliches Verhältnis zu schaffen vermag. Dieses schicke Sich-mal-schnell-in-die-Karten-Gucken-lassen.
Diese bunt illustren Vertraulichkeiten fallen dann wie warmer Sommerregen auf einen benommenen, dumpf-gönnerhaften, logische Brüche allzu leicht verzeihenden Konsumdurst, der sich darin gefällt, mit angenehmen Einsichten und -blicken unterhalten zu werden, um sich, durch das Etikett Making-Of aufgeklärt, mit neuem, dazu noch interessantem Wissen angereichert zu fühlen.
Spätestens aber mit dem Nachstellen der signifikanten Augenblicke im Leben eines Küstlers, das el Berndo von jungen Nachwuchstalenten "erledigen läßt", zeigt sich ab der zweiten Hälfte der DVD auf jäh sich öffnender Breite seine Intention:
Ein unfassbares Erstaunen darüber, wie sehr sich auch in diesen Zeiten der allgegenwärtigen Dokumentationswut der göttliche Funke der Inspiration in umso ungreifbarere medial unkompatible Bereiche d.h. unzugängliche Regionen menschlicher Existenz zurückzieht, hält man ein Kamera auf etwas, das auf den ersten, unbedachten Moment so klar scheint..

Hier die Pressestimmen zu den CDs en Detail zur Direktanwahl: