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The Making Of- die Diktaphon Demos DVD
Den Augenblick der Schöpfung nachzeichnen, oder, besser: mitschneiden. Das ist ganz nah dran am Göttlichen und mittlerweile Bestandteil jeder etwas ausführlicheren Film-auf-DVD-Sonder-Packung.
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Interview
Eines der großen Pänomene unserer Zeit: Making-Ofs gewähren einen Blick hinter die Kulissen und erhöhen ausgerechnet und paradoxerweise dadurch den Zauber/Reiz des Werkes. Das funktioniert natürlich nur mit dem angesagten Medium des neuen 21. Jahrhunderts, der DVD. Findest Du es von Vorteil, daß jeder moderne Musiker sowas braucht, um am Markt längere Zeit bestehen zu bleiben?
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Mmh, von Vorteil.. Nö, eher nicht. Zu guter Musik muß man sich plötzlich auch noch um eine DVD-Produktion kümmern. Das weitet den Aufwand erheblich, sagt nicht viel über die Musik als solches aus, und frißt denjenigen Künstlern Energie weg, die sich eigentlich ausschließlich ums Hörbare kümmern mögen. Zur live-Dokumentation, die ja auch immer eine Werbefunktion erfüllt- super. Jedoch verlangt dies so ne Art Offenbarung. Die Öffentlichkeit kann einen ja dann in person sehen kann. Physiognomie, Gestik und soziale Choreograhie, sprich Verhalten und Umgang mit Bandmitgliedern, Fans eventuell und Mitproduzenten an den Reglern im Studio. Dazu die Frage nach dem sichtbaren Umfeld. Dreh ich im Studio, mit der Handkamera gar zuhause, welche Spielstätten suche ich aus, die meiner Performance, dem Image meiner Musik entsprechen, sie gar erhöhen.. Puh! Wenn man sich da EIGENTLICH aufs Musikmachen konzentrieren und in den Pausen unerkannt auf die Straße treten mag, kann so ein Promo-Plan ganz schön in die Quere des Tagesablaufs der Wahl kommen.
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"Diktaphon Demos", was hat es denn damit auf sich?
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Diktaphone gibs heute ebenso wie der dazugehörige Begriff ja gar nicht mehr. Ich fand das aber aus dem Grunde reizvoll, weil es in eine Vergangenheit weist, die komplett verschwunden ist. Also den historischen Charakter der ganzen Geschichte betont.
Außerdem klingt da auch noch das Unperfekte, die Dinger hatten ja nicht den RIesen-Sound, und das örtlich ungebundene der primären Inspiration an. Das Diktaphon ist praktisch die technische Antwort auf das Phänomen der zeit- und orts-ungebundenen (künstlerischen) Eingebung. Man kennt ja die Geschichten von Schriftstellern und Musikern, die entweder so ein Gerät oder, klassisch, Papier und Bleistift immer mit sich herumschleppen oder neben dem Bett am Nachttisch lagern. |
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Auf dem Cover der DVD sieht man ein Stylophon, das ja mit Diktaphonen rein gar nichts zu tun hat. Was soll das?
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Ein erster Hinweis auf die Ungereimtheiten, die einen dann auf der DVD selber erwarten.
Aber auch ein Gerät zur Erzeugung von Tönen als Diktaphon, das ja zum Spracheaufzeichnen erfunden ward zu bezeichnen, fasziniert mich in dem Sinne, (..)
Und: das mit dem Stylophon bemerken nur Insider, die dieses Instrument schon mal gesehen haben. Was für mich der Grund war, es der breiten Öffentlichkeit mal vorzustellen. Zudem ich es persönlich super stylisch und goldig zugleich finde.
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Auf der DVD fällt als erstes auf, daß Du mit jungen Musikern und Nachwuchsschauspielern die Original-Ereignisse nachstellst. Das hat ja mit Making Ofs nun wohl überhaupt nix zu tun, oder?
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Da Making-Ofs ja auch was Intentioniertes sind, also Werke, die mit Plan, systematischer Vorgehensweise, Struktur und beabsichtigtem Ergebnis gemacht werden, um also wieder der erbauenden Unterhaltung zu dienen, fand und finde ich es reizvoll, diese Eigenschaft immer an der Oberfläche des Bewußtseins der DVD-Gucker zu halten.
Diese Darstellungsweise hat mehrere Vorteile für die Intensität des Dargestellten: kinematografisch wirkungsvoll kann so ein Eingebungs- und Schaffensprozeß dargestellt werden, viel dramatischer, von "Nebengeräuschen" gereinigter. Geschieht dies wie in meinem Fall durch den "betroffenen" Künstler selber, ist dies meiner Meinung nach ein probates Mittel, das Wunder der Kreativität, auch für den Kreativen selber, adäquat ins Medium Film/DVD zu überführen.
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Und dazu passen dann wohl auch diese ziemlich surrelen Szenen? Um diesen Prozeß der Inspiration zu illustrieren?
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Ok, ich gebe zu, ein etwas "unübliches" Mittel im Zusammenhang mit einem Making-Of-Projekt. Da es sich bei der DVD aber um eine andere Art des Making Ofs handelt, das, jedenfalls für mich, um einiges näher am "Machen" dran ist, quasi zum ersten kleinen Zündfunken der Entstehung und ergo wichtigsten Eigenschaft eines Künstlers vorzudringen sucht, hab ich mich von der üblichen unzweideutigen Werkstatt-und verschmierte-Kittelschürzen-Optik und dazupassender harmloser Austrahlung losgemacht und benutze diese nun in einem übergeordneten Sinn als Metapher. OK: als ständig störende Metapher, wenn man die üblichen Making-Ofs damit vergleichen mag.
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A propos Werkstatt-Optik- mir fällt beim Angucken diese, fast würde ich sagen "Überbetonung" des Unfertigen an allen Ecken und Enden auf, selbst die Kulissen- falls es wirklich welche sind- scheinen noch nicht ganz fertiggestellt ..
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Ein Hinweis auf die trübe Ursuppe aller Ideen, die aus Tageslaunen, nachhallenden Erlebnissen, Gerüchen oder Lichtverhältnissen, Träumen, Telefonansagen, Werbebanner oder: eigentlich aus jedwedem Denk- und Fühlbaren jäh herausfahren. Und dann, sollten sie Beachtung, oft auch nur Zeit, beachtet zu werden finden, erstmal begeistert wie ein neues Kaugummi bekaut werden.
Äußerst wichtig finde ich dabei die Entwicklung einer persönlich angepaßten Technik, diese ursprüngliche Faszination in eine Medium zu überführen. Viele VIP-Geschichten gibt es ja von angelegten Zettelbergen oder eben Diktaphonen im Nachttisch.
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Also ums Erkennen und Festhalten?
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Eher ums Wissen, wie wichtig dieses Festhalten ist. Gute Ideen gibts andauernd und überall. Normalerweise verpuffen sie aber sofort durch Ablenkung seitens des Tagesgeschäfts. Oder werden von der puren Laberlust im Proberaum einfach überspült. Dieses Aufblitzens in den alltäglichsten und unerwartetsten Momenten Gewahr zu werden und konservatorisch zur Tat zu schreiten, halte ich für die Essenz der menschlichen Kreation..
(Pause) Natürlich gibts ab und an die ganz großen Geistesblitze, die gar den Tagesablauf völlig von der Spur kommen lassen, ich beziehe mich mit dieser DVD aber auf die eher kleinen, vielen Ideen. Ist ja auch beim Komponieren und Produzieren eher im Vordergrund, da sich das fertige Ergebnis, das dann "zum Produkt werden darf", aus vielen einzelnen beitragenden Bausteinchen zusammensetzt.
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Mit dieser Erzählweise, der angewandten Stilistik und der Art des Bild-"doku"materials bist Du sehr nah dran an den allgegenwärtig erhältlichen, im späten Nachhinein zusammengeschusterten elektronischen Biographien, so daß sich nur beim sehr genauen Hinsehen so ne Ahnung von Fake einschleicht.
Doch Du gehst noch weiter und hälst eine Anleitung dafür bereit, die am DVD-Menueende einen "Autodoku"-Punkt mit allen notwendigen Einzelheiten enthält, an die man denken sollte, ist man an der, ähem, unbeabsichtigt scheinenden Eigendokumentation interessiert- ein neuer Geschäftszweig, der hier hier seinen ersten Funken findet?
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(lacht) Wohl kaum. Eine Betätigung als Fan, der überall mit hinreist und sich dann stoisch mit Handy ins Publikum stellt wie eine Statue, um dann Jahre später mit einer unglaublichen Fülle an Material aufwarten zu können - ob sich daraus eine neue Branche schlagen läßt, ich bezweifle es.
Dafür sind solche Fans zu nerdig, man hat sie nicht wirklich unter (Produktions)kontrolle, zuwenig sind über Ästhetikempfinden und archivarische Ordentlichkeit bekannt geschweige denn der ebenso wichtigen Frage, wie es denn mit der Kontinuität steht, als daß man darauf Einfluß nehmen könnte. Oder schon allein das Wiederfinden, das sich natürlich im Internetzeitalter als generell möglich(er) zeigt als davor. Stell Dir vor, die frühen Karrierehöhepounkte sind schon zehn Jahre her, da noch Jemand zu finden, der alles mitgeschnitten hat- puh!
Das Ganze ist mehr ein Gedankenspiel, auf diese Art Amateurästhetik einzugehen, die dann posthum professionell ausgewertet wird.
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So ne Art Einkaufszettel?
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Genau. Ein Einkaufszettel, der eigentlich eine getarnte Analyse darstellt. Also mal wieder was für Medien- und Filmschaffende. So ein Spielen mit der Frage nach der Relevanz solches Materials, seiner "Authentizität" , die von Abwesenheit eines geschulten Gestaltungswillens lebt und sich "nur" auf die Dokumentation konzentriert. Ein soziokritischer Beitrag zur Wechselwirkung zwischen Star-Medium-Fan, eine Meditation zum Thema Internet und dem prekären "Nix geht verloren"-Syndrom, das ja langsam, aber sicher ins Blickfeld des Interesses rückt!
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Was sich darüber hinaus auch total exzentrisch ausmacht, ist dieses Stellungsspiel der Mitwirkenden..
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Stellungsspiel- sehr gut!(lacht) Die Idee dazu formte sich für mich langsam, denn als Händler macht man sich schon irgendwie Gedanken über die Atmosphäre, die an so filmwichtigen Orten wie Hollywood, Cannes oder in diesem "indischen Bollywood" oder irgendwo anders herrscht, wo sich Filmleute, Geld, Drogen, durchgeknallte Schauspieler, Schreiber, Kriminelle und Geltungsgierige ballen, um die ganz großen Träume für die restliche Menschheit zu produzieren und damit "nebenbei" zu ganz großem Ruhm gelangen wollen.
Das Spiel ist einfach nur Ergebnis einer über die Jahre gewachsenen Aufmerksamkeit, was die personellen Zusammensetzungen von Film- undd Produktionscrew angeht, liest man doch immer zu Verkaufsberatungsoptimierungszwecken in der bereitgestellten Datenbank, die oft manche Überraschung für mich Naiven bereithält. Da könnte man sich doch so ein SIMS-artiges Bonusspiel für dieses DVD dazu einfallen lassen, dachte ich mir. Mit offiziellen und dunklen, aber umso wichtigeren Szenen, die gemeinsam zu den in der Realität, oder besser: Öffentlickeit sichtbaren Ergebnissen führen.
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